Shisha-Verbot im Iran

25 12 2007

iran shisha Es ist noch kein Jahr her, dass ich in einem Teehaus über den Dächern von Isfahan auf dem Großen Platz Wasserpfeife pofelte und mich dabei von der unglaublichen Dimension dieses Plazes inspirieren ließ. Das wäre jetzt nicht mehr möglich: Denn der Iran verbietet jetzt sogar das Shisha rauchen. Kein Alkohol, kein entblößtes Frauen-Haupt und jetzt nicht einmal der Geschmack des fruchtigen Dunstes. Mein Gott, Khamenei, wohin soll das noch führen!

Dabei steht der Iran auf meiner persönlichen Liste der Top-Reiseziele ganz oben. Ich habe noch kein islamisches Land erlebt, wo so viele junge Menschen so offen auf Ausländer zugehen. An jeder Ecke wird man angesprochen – und zwar nicht, wie etwa in Ägypten, um Bakshish oder weil einem der Gute irgendwas andrehen will. Nein, die kommunikativen jungen Menschen sind in der Regel Studenten und sind brennend daran interessiert, zu erfahren was wir „Westler“ über den Iran denken, was wir von Ahmadineschad halten und ob wir den Iran auch für so gefährlich halten wie Mister Bush.

Und da nützt es nix, dass man sich vorsichtshalber aus jeder politischen Diskussion zurückhält: Die Leute sprechen unverhohlen aus, was sie von der iranischen Regierung und den religiösen Machtführern halten. Nämlich genau nix.

Es ist ein faszinierendes Land, dieses Persien! Der laute Moloch Teheran mit imperialen Relikten aus der Schah-Zeit, die Wüsten-Stadt Yasd mit den alten Lehmhäusern und den Kultstätten der Zarathustrier, Shiraz – die Stadt der Dichter, der Liebe, der Rosen und des gleichnamigen Weines, der dort längst nicht mehr angebaut werden darf. Ich hab übrigens keine Stadt erlebt, wo so viel über den Wein geredet wird wie in Shiraz: Unser Guide hat ständig Hafis-Gedichte über den Rebensaft vorgelesen. Zu trinken gibt’s aber keinen Tropfen davon – zumindest für Touristen und offiziell… – das alte Persepolis, die Ruinenstadt der Perserkönige, Isfahan – die Stadt der Brücken mit prunkvollen Moscheen und besagtem Großen Platz…. Der Iran ist mit Sicherheit eines der ganz spannenden Reiseziele.

A ja – und Skifahren kann man auch: Nördlich von Teheran locken über 3000 Meter hohe Skiberge. Ein Skitag ist übrigens ein höchst skurriles Erlebnis, das die ganze Bandbreite der iranischen Doppelmoral sichtbar macht: Die Frauen tragen statt Tschador feinste Designerklamotten, auf der Piste stehen Benetton-Werbeschilder. An den Liften passen manchmal Sittenwächter auf, dass Männlein und Weiblein nur getrennt mit der Gondel fahren, Aber eben nur manchmal: Bei der ersten Auffahrt darf ich ungestraft und ohne Verwarnung mit zwei hübschen Perserinnen flirten. Eine halbe Stunde später gibt’s dann wieder Geschlechtertrennung…


 Buch-Tipp: Die Südtiroler Journalistin Lilli Gruber lässt in ihrem spannenden Buch „Tschador. Im geteilten Herzen des Iran“ vor allem Frauen zu Wort kommen – und zeichnet ein faszinierendes Bild von einer brodelnden Gesellschaft, wie ich sie auch erlebt habe.

Reise-Tipp: Und wer selbst in den Iran reisen möchte, sollte die von den USA geschürten Vorurteile ein wenig außer acht lassen. Perfekt organisierte Rundreisen bietet etwa Geo Reisen an, Details in jedem österreichischen Reisebüro.
www.georeisen.at


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